Offener Brief der Seniorenvertretung Köln Innenstadt an die Stadtverwaltung Köln

An die
Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Henriette Reker
An den Leiter des Krisenstabs der Stadt Köln Stadtdirektor Dr. Stephan Keller
An den Sozialdezernenten der Stadt Köln Dr. Harald Rau
An den Bezirksbürgermeister Köln-Innenstadt Andreas Hupke
An die Medien der Stadt Köln

In großer Sorge
In den letzten Tagen erreichten uns zunehmend Nachrichten, dass die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen in unserer Stadt und auch im Land nicht mehr gesichert ist. Wir hatten bereits vor einigen Wochen in einem Schreiben an die Stadtverwaltung auf diese abzusehende Situation hingewiesen und darauf gedrängt, dass man sich darauf vorbereitet. Leider müssen wir heute feststellen, dass dies nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist.

Wir von der Seniorenvertretung Köln-Innenstadt fordern jetzt von den Verantwortlichen in Stadt und Land folgende sofort umzusetzende Maßnahmen:

  1. Ältere und pflegebedürftige Menschen, die aus den Krankenhäusern entlassen werden und im Augenblick nicht mehr in den Alten- und Pflegeheimen aufgenommen werden, sind in Hotels und Pensionen unterzubringen. Die tägliche Grundversorgung (Essen, Trinken etc) kann durch das Hotelpersonal gesichert werden. Die erforderliche Gesundheitspflege soll über die ambulanten Dienste – soweit möglich – geleistet werden.
  2. Pflegebedürftige und einsame Menschen sind in Hotels und Kreuzfahrtschiffe, die vor Köln liegen, unterzubringen. Die Versorgung der Menschen kann durch das Hotelpersonal übernommen werden.
  3. Die aktuelle nicht mehr im Pflegebereich tätigen Pflegekräfte sind aufzurufen, sich freiwillig zur Unterstützung der Pflegerinnen und Pfleger in den Altenheimen und in der ambulanten Pflege zu melden. Diese Tätigkeit ist zu vergüten.
  4. Die derzeit durch die Stadt Köln mitfinanzierten Kräfte in den Wohlfahrtsverbänden aus der Seniorenberatung, Seniorenkoordination, Seniorennetzwerkunterstützung etc. sind mit zur praktischen Unterstützung der Pflegerinnen und Pfleger in den Heimen und der ambulanten Pflege heranzuziehen. Es handelt sich bei dieser Personengruppe in der Regel um gut ausgebildetes Personal, dass zu Zeit überwiegend im Home-Office arbeitet und das zumindest zeitweise zur Unterstützung in den Heimen und der ambulanten Pflege herangezogen werden sollte.
  5. Die auf der Straße lebenden Obdachlosen (insbesondere die älteren Menschen) sind in einfachen Hotels und freigewordenen Flüchtlingsunterkünften unterzubringe und dort eine Grundversorgung sicherzustellen. Die entsprechenden Strukturen stehen noch zu Verfügung.
  6. Durch die Wohlfahrtsverbände, in den Heimen und in der ambulanten Pflege sind kurzfristig Strukturen zu schaffen, die „Hilfspfleger und -pflegerinnen“ ausbilden, die zur Unterstützung in den Heimen und in der ambulanten Pflege herangezogen werden.
  7. Für die in der Gastronomie und den Hotels etc. freigesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die entweder arbeitslos geworden sind oder Kurzarbeitergeld beziehen, muss kurzfristig die Möglichkeit geschaffen werden unterstützend im Pflegebereich tätig zu werden. Es handelt sich dabei um eine Personengruppe, die es gewohnt ist mit Menschen umzugehen und den Dienstleistungsgedanken aus ihrem alltäglichen Beruf heraus leben. Mit diesen Maßnahmen können wir auch den von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen wieder eine Perspektive bieten.

Diese Maßnahmen können aus Sicht der Seniorenvertretung Köln-Innenstadt kurzfristig und ohne großen administrativen Aufwand umgesetzt werden. Hier ist nur der „Wille“ gefragt. Bitte denken Sie daran, es handelt sich um Menschen, wie Sie und wie wir, die dringend Hilfe benötigen, die wir nicht allein lassen dürfen.

Wir erleben viel Solidarität in den Veedeln, doch dies allein reicht nicht. Bitte Handeln Sie jetzt: es geht um jeden Einzelnen.

Köln, den 21. März 2020

Seniorenvertretung Köln- Innenstadt

Karl-Heinz Pasch                       Hans-Anton Meurers                   

Sprecher                                          stellv. Sprecher

Karin Will                                      Maria Flöge-Becker

Mitglied der SVK-Innenstadt     Mitglied der SVK-Innenstadt

Gudrun Kleinpass-Börschel

Sachkundige Einwohnerin